Unterwegs nach (N)irgendwo

Frankreich-Tour auf 8 Rädern

  



Samstag, 23. September 2000
Vor lauter Vorfreude wirkt alles wie im Film. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass alles unwirklich ist. Es fängt schon damit an, dass das Wetter nicht besser sein könnte. Der Himmel ist kidschig blau. Die Sonne grinst frischfröhlich auf uns runter. Unsere rauchenden Pferde sind bepackt und uns kitzelt schon der Gas-Daumen.
Ein halber Monat Ferien steht vor uns! Unendliche Kurven und pures Fahrvergnügen warten auf unsere Quads. Pünktlich um fünf nach zehn am Morgen fahren wir von unserem Heimatplaneten Fideris ab. Die Weite des Universum namens Frankreich lockt uns.
Nach fünf Minuten Fahrt wird uns überdeutlich bewusst, dass der Sommer seine Tore langsam aber sicher schliessen wird. Ein kalter Wind lässt unsere Finger ganz schön steif werden. Aber ein Indianer kennt keinen Schmerz, und vorallem, wir nicht! Denn beiden von uns lässt es der sture Grind nicht zu um anzuhalten und die warmen, flauschigen Handschuhe zu montieren. Nein, jeder für sich beisst sich tapfer durch. Und siehe da! Entweder wird es wärmer oder wir sind einfach hartgesottene Kerle.
Das heimatliche Gefilde wird Richtung Bündner Oberland mit dem wunderschönen Oberalppass verlassen. Wir wollen Richtung Wallis. Von dort über den Forclaz nach Frankreich. Die Natur ist um diese Zeit ein wunderschönes Märchen. Jede Bergkuppe, jeder Felsen, der seine Pracht in den stahlblauen Himmel streckt, wirkt so nah, fast greifbar. Eindrücklich wird mir bewusst wie schön die Schweizer Berge sind.
Unsere zwei Grizzlys schnauben
gemütlich den Furkapass hoch. Irgendwer hat wohl in den letzten Tagen hier alle Berge mit feinem Puderzucker bestäubt. Der Kontrast zum Himmel, die Passstrasse vor der Nase, die sich immer und immer höher schraubt, lassen einem einfach nur zufrieden und glücklich sein. Und ganz oben auf der Passhöhe flippt unser Hund Jack vor lauter Freude, sich wieder mal genüsslich in einem Schneefeld herumzuwälzen, förmlich aus. Nach zig Schneebällen und steif gefrorenen Fingern, einem mit sich und der Welt zufriedenem Hündchen im Gepäck, lassen wir den Schnee bald mal links liegen. Der soll uns nur bei der Heimfahrt nicht in die Quere kommen, im Fall!
Die Fahrt ins Wallis ist kurzweilig, vor lauter Kurven dreht es schon fast. So könnt das Leben immer sein! Drunten im Wallis landen wir im Filet. Ja, wirklich! Das Filet hatte per Zufall einen Camping und wir suchten einen Camping. Und so waren wir eben im Filet! Pfff...und jetzt nehm ich euch die Freude weg. Das Filet ist ein klitzekleines Dörfchen; und ist sicher verdammt stolz auf seinen Namen, weil bestimmt jeder Gringo so seine Wortspielchen macht und dieses Filet mit eben jenem Filet "verwechselt". Na ja, jedenfalls schlugen wir unser Zeltchen auf und hatten Hunger. Aber ne, n'Filet gab's nicht...sondern Rehmedaillon und Hirschenentrecôte, samt Vermicelles und - oh Schreck - meinen heissgeliebten Rösliköhlis...!

    


Sonntag, 24. September 2000
Tagwache um 7.15 Uhr. Und das in den Ferien. Was man(u) nicht alles tut...
Die grosse Zusammenpackerei dauert bei uns jeweils auch noch seine Zeit.
Und so stiegen wir genau um fünf nach zehn auf unsere Sättel. Doch siehe da, diesmal waren wir beide einwenig ehrlicher und zogen beide die Handschuhe an... Das Wallis dankte uns mit wunderschönem Wetter. Die Fahrt wurde nur durch Rauch- und Brünzlipausen unterbrochen. Unser Ziel war es heute so weit wie möglich Richtung Chamonix und weiter zu donnern. Über den Col de la Forclaz rein in die gute Stube. Boschur Fransss...nu somm la! Und wie...! Eins kann ich euch sagen, wenn ihr die Berge genau so liebt wie ich, dann versteht ihr, wenn ich bei der Pracht, die sich vor uns auftat fast Tränen gekriegt habe. Wir konnten bei diesem Traumwetter jede einzelne Gletscherspalte, alle Yetispuren, ja jede Murmeltierkacke erkennen. So klar war die Sicht. Und dann halt der Mont Blanc. Der weisse Berg. Man schaut ständig nach ihm hoch, ein riesiger Haufen Stein, den man hier plaziert hat. Und ich bin sehr stolz darauf, dass wir seine erhabene Pracht in ganzer Grösse sehen durften. Denn anscheinend versteckt er meistens sein imposantes Gesicht hinter Nebel. Jedenfalls musste Felix wegen mir an fast jeder Ecke anhalten um mal hier eine Gletscherspalte, dort einen Blick
auf den Berg mit der Digitalkamera festhalten. Bald mal nach Chamonix bogen wir wieder auf unsere heissgeliebten Nebenstrassen weg. Ich weiss nicht, ob's nur am Wetter lag, aber die Landschaft ist unheimlich schön. Teilweise beginnt der Herbst bereits seine Farbenpracht in die Wälder hinein zumalen. Jeder Hügel, den wir erklimmen, schenkt uns einen noch gewaltigeren Ausblick als der vorherige. Ich würde am liebsten..ach was, ich mach es ja auch...den ganzen Tag strahlen, wie die Sonne. Es herrscht kaum Verkehr, sicherlich liegt es auch daran, dass in der ganzen
Region hauptsächlich Wintertourismus betrieben wird. Und die Sommer-Saison auch schon längst passé ist.

  


Unser Camping finden wir heute in der Nähe von Beaufort. In einer wunderschönen Talsohle gelegen. Links und rechts geht's steil die Berghänge hinauf, ein schöner Wasserfall stürzt sich vor uns seinen Weg ins Tal. Wie immer gibt's beim Campingbesitzer zuerst einmal das grosse Staunen und schon sind wir herzlich willkommen. Schwupsdiwups geht das. Zu unserer Freude können wir das ganze Gelände mit einem kleinen weissen Schimmel teilen, der schön behütet seine Runden in einem abgesperrten Teil des Campings abtrotten kann. Doch die Ruhe dauerte nicht lange. Hilfe! Die Engländer marschieren ein! Und das in Form eines alten Männchens ohne Gebiss mit einer noch viel älteren verrumpfelten Dame in Begleitung. Und dann folgte purer englischer Humor, oh my Dear. Bis sich dieser
Typ entschieden hat wo er sein stinkendes, rostiges, dieselgefülltes Vehikel plazieren möchte, musste zuerst das Rösslein entfernt werden, weil er genau dort seinen Platz auserkoren hatte, da dort die Sonne noch ihre letzten Strahlen hinsandte. Okey, Pferdchen wurde abgeführt. Wir bekundeten unser Bedauern, der Campingman zuckte nur die Schultern, so sei das eben mit den Touristen. Aber es kommt noch besser. Irgendwie passte dem Inselmenschen das Plätzchen doch nicht und es dauerte wohl noch cirka fünf andere Anläufe, bis er seinen Platz nun doch endgültig gefunden hatte. Gemeinsam mit dem Campingbesitzter guckten wir diesem britischen Lagerwechsel zu und staunten über so viel Energie. Zu allem Übel jammerte das englische Männlein auch noch, dass das Wasser zum Duschen zu kalt wäre. Toll, dafür verbrannten wir uns dann später beim Duschen fast unseren Pelz. Der Inhaber meinte es aber auch verdammt gut mit Thermostat aufdrehen. Rache ist wohl heiss...Aber was soll's, wir knurrten gemütlich in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung ein und verdauten einen wunderschönen Ferientag.

      


Montag, 25. September 2000
Heute erklommen wir einen der höchsten Alpenpässe. Den Col de Iseran mit stolzen 2.770 Meter über Meer. Faszinierend grausam war die Fahrt bei Val d'Isère vorbei. Wie können Menschen nur so schrecklich hässliche Gebäude in die Natur stellen. Mir blieb ab und zu der Mund offen, weil es wirklich das Abscheusslichste war was ich bisher in einem Hochalpental gesehen habe. Skitourismus ist ja schön und gut, aber es geht auch anders. Hochhäuser und in solch potthässlichem Formen und Farben gehören nicht dorthin. Schade, das da solche Auswüchse getrieben wurden. Das Dorf selber war fast ausgestorben, überall wurde aber ausgebaut, saniert, gehämmert, Dächer repariert etc. Die Ruhe vor dem grossen Winterstress. Zu unserem Übel waren halt auch dementsprechend alle Tankstellen und Läden geschlossen. Das war unseren trinkfreudigen Tanks aber so ziemlich egal, die wollten Nachschub. Und so
kam es wie es kommen musste. Oben auf der Passhöhe mussten wir unsere Reserevetanks anzapfen. Die sind eigentlich im Jahresverlauf nur als Gegengewicht für die schwere Hundekiste gedacht, können aber in Notfällen ganz schön hilfreich sein. Gell, gut, sind sie nicht mit Wasser gefüllt? Die Fahrt über diesen Pass war gesäumt von Widerwillen und Faszination. Einerseits muss das ein wunderschönes Skigebiet sein, andererseits wirken die nackten Skelette von zig Seilbahn- und Skiliftmasten so grausam brutal und entstellend.

      


Unten im Tal fanden wir in Termignon noch einen offenen Camping. Brrr...die Nächte sind bereits schon bitter kalt und vorallem voll lässig, wenn man plötzlich den unbändigen Drang verspürt pinkeln gehen zu müssen. Nervig ist's vorallem, weil zu Hause muss ich in der Nacht auch nie auf den Hafen. Aber schön ist es danach zurück in den warmen Schlafsack zu kuscheln, die gletschkalten Hände ganz zärtlich und lieb beim Schatz aufzuwärmen, sein Geschrei danach zu ignorieren und noch einwenig näher kuscheln...

 


Dienstag, 26. September 2000
Dreimaliges Brrrr...am Morgen ist es auch schweinisch kalt. Zaghaft wird der Reissverschluss des Zeltes aufgezurrt. Aber was für ein Anblick! Der Himmel blauer als blau, nur die Sonne mag noch nicht ganz über den Berg. Darum schmeckt eine heisse Milch um so besser und weckt die Lebensgeister. Die ersten Sonnenstrahlen kippen rüber, die Feuchte der Nacht wird langsam aber sicher verbannt. Wuah...das braucht die Seele! Gemütlich packen wir unsere sieben (und hundert anderen) Sachen zusammen. Fahrroute immer gen Süden. Über die drei Doppelpässe Col du Télégraphe, Col du Galibier
(Gallier und Bier...ho...ho...) und Col du Lautaret nach Briançon war unsere Tagesetappe wieder von wunderschönen Gegenden eingerahmt. Um diese Zeit herrscht kaum Verkehr. Da wir aber zeitlich eher spät dran waren, wurde es wohl die kürzeste Tour in diesen Ferien. In Briançon fanden wir noch einen offenen Camping und nisteten uns ein.

      


Die meisten Camping schliessen Mitte
September und es war teilweise gar nicht so einfach einen zufinden. Café mit Cognac wärmte schön brav auf und der Abend wurde recht gemütlich. Spätestens dann als wir den deutschen Motorradfahrer Markus kennenlernten, drehten sich die Gespräche dann bis spät in die Nacht rund ums Fahrzeug. Vergaser, Nockenwelle, Ventileinstellungen, Wasser oder Oelkühlung...Glaubt mir, ich als Volllaie könnt jetzt glatt ein Radel selber bauen...Ne, so krass auch wieder nicht, aber "jut" und interessant war es jedenfalls.

Mittwoch, 27. September 2000
Am Morgen ging das Schrauben-Geplapper gleich weiter und die zwei Herren schwebten im siebten Motorenhimmel. Markus ist ein kleiner "God of Motoren" und viele nützliche Tips und Anregungen wurden weitergegeben. Beim Verabschieden wurden noch E-Mail Adressen ausgetauscht. Man weiss ja nie....
Unsere Pässeroute umfasste heute den Col d'Izoard und weiter via Col de Vars nach St. Paul. Berge, zerklüftete Täler, wind- und wettergeformte Felsen, die wie Säulen und Türme in den Himmel ragten, pflasterten unseren Weg. Ein ausgiebiges Sonnenbad mitten auf einer Wiese am Strassenrand gehörte dazu wie dann später die obligate Suche nach einem offenen Campingplatz. Kurz vor dem höchsten offiziell befahrbaren Alpenpass in Europa, dem Col da la Bonette, fanden wir in Barcelonnette einen. Koch Felix zauberte feine Cotelettes auf den Tisch und nach einer heissen Dusche verkrochen wir uns bald in unser Himmelbett...chr...zipüü...

    


Donnerstag, 28. September 2000
Und wie uns Markus prophezeite, der Cime de la Bonette ist wirklich ein wunderschöner Pass. Es geht immer hinauf und hinaufer. Tafeln am Strassenrand beweisen einem schriftlich, dass man jetzt gerade auf 1585 Meter über Meer ist, n' paar hundert Meterchen und zig Kürvchen weiter schon die Tafel mit 2500 Meter über Meer. Und weit oben siehst du den Gipfel. Verlassene Militärbaracken sind stumme Zeugen, dass die meisten Pässe von der Armee erschlossen wurden. Wohl ganze Regimenter pflügten den beschwerlichen Weg, um diese Hochalpentäler befahrbar zu machen. Und es besteht die Möglichkeit, die meisten dieser Militärwege, die in fast jeden Winkel der Hochtäler hineinführen mit geländetauglichen Fahrzeugen zu erkunden. Und sicher findet man dann auch überall die versteckten Bunker, die irgendwann dazu dienten fremde Eindringlinge zu erschrecken. Auf solchen Pfaden eine Tour zu machen, ist sicher voll mega. Vorallem, weil du das in der Schweiz glatt vergessen kannst solche Pfade zu "erfahren". Wir tuckerlten auf den offiziellen Routen und ganz oben auf dem Pass, stolze 2.802 Meter über Meer, sah man so
weit das Auge blicken konnte. Wir hatten ein riesen Schwein jedesmal mit dem Wetter! Auf dem letzten Abschnitt vom Bonette kommst du dir vor wie auf dem Mond. Kein Grasbüschel wächst mehr auf dieser Höhe. Nur noch eine von Wind und Wetter geformte Steinwüste. Kaum oben, wer braust mit seiner Africa Twin daher? Der Markus! Na, grüass Gott, der Herr. Was für ein Zufall. Wir machten ab, dass wir uns irgendwo an einem Camping im Gebiet des Verdon-Canyons treffen werden um die Tage gemeinsam dort zu verbringen. Gemeinsam genossen wir die Rundsicht, die wohl kaum zu übertreffen war.

     


Da wir mit unseren Maschinen und dem bisschen Gepäck wohl ein wenig langsamer unterwegs sind als Markus, galoppierten wir bereits voraus. Runter von diesen
hohen Pässen ist auch jedesmal speziell. Von den kargen Bergtäler runter bis zu den saftigsten grünen Landschaften mit Ackerbau und Dörfern kriegst du die halbe Besiedelungs-Strategie der Menschheit mit. In den Tälern Richtung Verdon, immer Richtung Süden, erwischten wir teilweise solche Nebenstrassen, die so idylisch und einsam waren, dass wir schon Bammel kriegten in einer Sackgasse zu landen. Doch irgendwann kommst du aus diesen wunderschönen Seitenstrassen, die hoch oben in die Berghänge reingeklemmt sind, wieder auf die "normalen" Strassen. Wir freuen uns jetzt schon auf den Anblick des Lac de Castillon. Und wohw...welch ein Anblick! Die Wolkenbilder am Himmel zaubern den See in ein leuchtig silbriges Etwas. Wir sind fleissig am phötelen, als Markus andüst. Er staunt, dass wir schon "soo weit" gekommen sind. He, soo langsam sind wir dann auch wieder nicht! Wir wollen einander gegenseitig übertrumpfen wer die schönere Route bis hierher gewählt hat und kommen zum Schluss, dass wohl alle Routen hierher wunderschön sind. Spätestens aber dann, als Markus erzählte, wie er oben auf dem Bonette, nachdem wir bereits abgefahren waren, einen Steinaldler ganz nah beobachten konnte, werde ich doch noch ein wenig eifersüchtig auf ihn...
Unsere Karawane zog weiter. Im schmucken Städtchen Castellane, dem Tor zum grandiosen Schluchtenparadies Verdon, schlugen wir unsere Zelte auf.
Im Camping schlossen wir bald Freundschaft mit einem anderen deutschen Ehepaar. Er war ursprünglich Franzose und hatte an uns dreien wohl seine Freude. Und wir an ihm, weil er einen solch herzlichen Akzent sprach.
Am ersten Abend gingen wir drei auswärts essen. Ein kleines Beizchen im Städtchen wurde angepeilt. Hm, lecker war's und zurück auf unserem Stützpunkt freute ich mich in den flauschigen Schlafsack zu kriechen. Die anderen zwei Schnattertanten hielten es noch recht lange aus und palafferten und palafferten...bis ihre Stimmen plötzlich von gannnzzz weit weg kamen...


Freitag, 29. September 2000
Der Himmel war traurig. Er weinte und weinte, und wollte nicht mehr aufhören zu weinen. Es goss wie aus Kübeln. Wätsch! Damit es nicht langweilig wurde, bauten Felix und Markus gemeinsam ein deutsch-schweizerisches Projekt namens "Wie halte ich beide Zelteingänge trocken und wer schläft heute Abend in einem Wasserbett". Gottchen, das ganze sah einwenig abenteuerlich improvisiert aus, hat aber seinen Zweck voll erfüllt. Und lustig sah das ganze auch noch aus.

    


Es giesst den ganzen Tag; mehr oder weniger. Eine Spritztour bei diesem Wetter lassen wir sausen. Markus und Felix ereiferten sich an ihrem Motoren und ich relaxte im Schlafgemach vor mich her. Auch das tat mal gut!
Zum Glück ging der nette Deutsch-Franzosen-Mann (sorry, ich weiss leider seinen Namen nicht), auch für uns drei einkaufen. Die Einkaufsliste war jedenfalls sehr bescheiden, wir benötigten nur Cola, Whisky und Brot. Lustige Zusammenstellung, gell? Denn heute Abend wurden wir von Markus zum Spaghetti-Plausch eingeladen. Tropf, Tropf und nochmals Tropf. Die über unseren Köpfen gespannten Blachen müssen ziemlich was aushalten. Irgendwie wirkt das ganze gemütlich; und irgendwie ist es auch Scheisse, weil man nicht auf Touren gehen kann. Na, auf jedenfalls verzogen wir uns in den Aufenthaltsraum des Campings, weil es dort viel trockener zu und her ging als auf unserer pfützengefüllten Veranda vor unseren Zelten. Wir drei genossen einen gemütlichen Feierabend bis es der Franzosen-Mann wagte uns seinen heissgepriesenen Schaps zu offerieren. Wuah, es war und wird wohl so bleiben, dass das der abscheusslichste Trunk war, den ich je meinem Gaumen angetan habe. Auf diese Medizin kann ich glattweg verzichten. Und auf die Frage, wer denn nochmals ein "Schlummertrünkchen" möchte, wurden die sonderlichsten Ausreden gefunden um den armen (geschmackverstauchten) Manne nicht zu beleidigen. Zum Glück besassen wir noch einen kleinen Notvorrat Whisky und konnten so unsere beleidigten Geschmacksnerven wieder einwenig beruhigen.

Samstag, 30. September 2000
Besser spät als nie. So irgendwie möchte ich unseren Trip beschreiben, den wir heute gemeinsam mit Markus in die Verdon-Schlucht gemacht haben. Es war eine der eindrücklichsten Farb- und Naturschauspiele, die ich erleben durfte. Erst gegen den späten Nachmittag wagten wir es auf die Sättel zu steigen. Das Wetter schien zu ungewiss zu sein. Aber - es hielt. Und wie! Es war als ob wir die Wolkentürme ob uns berühen könnten,

    


wenn wir uns nur noch ein bisschen
mehr reckten. Grandiose Lichtwelten
taten sich vor uns auf. Mal liebäugelte
die Sonne scheu hervor und verzauberte ganze Landstriche in ihren Bann. Manchmal schachtelten sich die Wolkentürme zu endlosen grauen Gebilden zusammen. Es war eine Zauberwelt in die wir hineingelangten. Wie in einer Märchenwelt, weit weg von der Realität.
Es war eine eindrückliche Art und Weise die Natur so zu erleben. Wir hielten an und staunten. An jeder Ecke entdeckten wir einen neuen Blickwinkel um alles für immer und ewig auf Photos festzuhalten.
Auf dem Heimweg, vorbei am Lac de St. Croix mit seinem smaragdgrünen Wasser, hineintauchen in die Schlucht, an den grandiosen Felstürmen vorbei, die durch die endlose Kraft vom Wasser und Wind so einmalig erschaffen wurde. Ein Paradies, was die Natur hier erbaut hat. Wie ein Einblick in das tiefste der Erde.
Ein gewaltiges Abendrot liess uns träumen. Möge die Welt doch einfach mal stillstehen. Möge alles Schöne immer so stark sein wie hier.

    
   


Möge die Kraft, die uns diese Bilder geschenkt haben ein kleiner Teil von uns werden. Für immer!